Meine Kunden nutzen nicht das Internet – Na klar…

Bei Gesprächen mit Unternehmern tritt oft die oben genannte Aussage auf, Webdesigner und Webentwickler werden dieses Problem nur zu gut kennen…

Gerade von Handwerkern hört man es häufig, da eben diese auch nicht das Internet nutzen und somit von sich auf andere schließen. Das ist an sich erstmal nicht so ein großes Problem, da dies eine menschliche Eigenschaft ist, die einfach auf Erfahrungswerte des Einzelnen beruhen und daher dann für alle gelten MÜSSEN!

Aber stimmt das eigentlich?

Spielen wir das Szenario doch einfach mal an einem mir bekannten Unternehmer durch, nennen wir ihn Karl Mustermann.
Karl ist 55 Jahre alt, Schreinermeister, er hat vor 20 Jahren den Betrieb von Vater übernommen, ebenfalls Schreinermeister und dieser von seinem Vater usw…
Insgesamt besteht das Unternehmen, die Mustermann GmbH (sollte es eine reale Firma mit diesem Namen geben ist diese nicht gemeint) also schon seit gut 180 Jahren. Die Firma ist etabliert und Karl hat seine Zulieferer und Endkunden.
Er hat so einige Kontakte und Stammkunden, die ihn (scheinbar) wunschlos glücklich machen.

Karl ist der festen Überzeugung, niemand würde über das Internet gehen um sich anzuschauen was er so gemacht hat, erst recht nicht danach suchen und falls doch hat er doch eine Internetseite, wo seine Telefonnummer angegeben sei. „MEINE Kunden rufen mich an!“

Prinzipiell richtig, Bestandskunden schauen selten auf Ihre Website um sich noch einmal Ihre Leistungen anzuschauen, sie rufen an und fragen, ob man Leistung-XY auch anbietet.

Aber die potenziellen Neukunden tun dies nicht.
Woher sollen sie auch wissen, ob man Ihnen vertrauen kann, ob Sie Ihren Job auch gut machen, ob Sie evtl. günstig oder teuer sind? Ob Sie ein Meisterbetrieb sind etc.

Wer sind denn die potenziellen Neukunden?

Und hier wird es interessant.
Ihre Neukunden sind häufig nicht die lange Etablierten Unternehmen, oder Unternehmer, sondern eine Generation der „Digital Natives“.
Der was fragen Sie sich? Keine Sorge, das erkläre ich Ihnen:

Die „Digital Natives“ beschreibt eine gesellschaftliche Generation von Menschen, die in bzw. der digitalen Welt aufgewachsen ist und Dinge wie das Internet nicht erst im Erwachsenenalter kennengelernt haben. Diese Personen haben also von klein auf gelernt, dass man alles was man sucht googlen kann, alles was man an Gegenständen oder Dienstleistungen sucht, online finden kann und nicht davor zurückschrecken online Ihren Dienstleister oder Lieferant auszuwählen, oder sogar NUR einen im Internet positiv aufgefallenen Anbieter/Dienstleister auszuwählen.

„Sie glauben doch nicht, dass Kiddies bei mir kaufen, oder?“

Ja, diese Reaktion erwarte ich eigentlich, wenn ich von den Digital Natives spreche. „Kiddies“… Schauen wir uns die Digital Natives jedoch genau an, bemerken wir, dass mit „Digital Native“ alle Personen gemeint sind, die als ältesten Jahrgang das Geburtsjahr 1980 haben. Dies würde bedeuten, dass die Älteste Gruppe der Digital Natives zwischen 30 und 37 Jahre alt ist.

Das bedeutet wiederum, dass wir es hier mit Menschen zu tun haben, welche schon vor 10-20 Jahren ihre Ausbildung oder ihr Studium abgeschlossen haben, im Berufsleben stehen und vielleicht schon ihr eigenes Unternehmen haben, generell aber definitiv gutes Geld verdienen könnten.
Die Gruppe aus Leuten in Deutschland mit einer Altersgruppe von 18-39 Jahren lag im Jahr 2015 bei ca. 21,84%, was knapp 17,9 Millonen Menschen in Deutschland entspricht, welche erwachsen sind und dennoch zu den Digital Natives gehören.

Also hat Karl Mustermann knapp 18 Millionen potenzielle Kunden, die das Internet täglich nutzen und höchstwahrscheinlich bei der Konkurrenz landen, da diese ihn nicht im Internet gefunden haben, oder sollten sie ihn gefunden haben, er sie nicht überzeugen konnte.
(Hinzu kommt noch, dass es auch viele ältere Menschen, die nicht mehr in diese Altersgruppe gehören, Leistungen über das Internet suchen. Da dies aber nur eine Dunkelziffer ist, sprechen wir weiter von 18 Millionen Personen.)

Das heißt natürlich nicht, dass wenn Karl eine super gute Unternehmenswebsite besitzt, die dann noch in den Suchmaschinen gut gelistet wird, dass er dann 18 Millionen neue Kunden hat.
Natürlich nicht.

Aber gehen wir einmal davon aus, Karl würde 2000,-€ für eine neue Website ausgeben, inkl. Texte und Bilder, die er dann auch noch selber pflegen, sodass er alles austauschen, abändern oder verbessern könnte wie er möchte.

Er müsste in den nächsten 5 Jahren gerade einmal 1-2 Kunden über diese Website gewinnen, die einen selbstgebauten Holzschrank von ihm bauen lassen und er hätte diese Investition wieder raus.

Bei einer guten Website, mit entsprechendem Leistungsangebot hätte er diesen Betrag wahrscheinlich schon nach 2 Monaten raus. (Nur eine Schätzung)

Meiner Meinung nach ist man dumm, wenn man das Medium schlechthin vernachlässigt und sich darauf verlässt, dass man einfach so weiter machen kann, wie bisher.

Man darf einfach nicht außer Acht lassen, dass die Zahl an Digital Natives konstant steigt. Jeder, der nach 1980 geboren wurde ist einer und das bedeutet, dass in 20 Jahren ca. 70% aller Menschen in Deutschland Digital Natives sein werden und daher immer mehr Personen in das oben beschrieben Raster fallen.



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